75 Jahre Velo-Solex: Fahrrad mit Hilfsmotor erobert die Herzen

2022-03-18 03:23:52 By : Ms. Vicky Guo

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Die Leichtigkeit des Seins: 2005 auf einem Paraglider-Festival im französischen Lumbin im Département Isère. Bild: Action Press

Die Velo-Solex ist das Fahrrad mit Hilfsmotor schlechthin und eine Entdeckung der Langsamkeit. Gute Exemplare kosten heute 600 Euro.

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V or 75 Jahren bahnte sich eine mobile Sensation an: Die ersten Vélo-Solex kamen im Herbst 1946 auf den französischen Markt. Der Prototyp war zwar schon 1940 entstanden, kriegsbedingt dauerte es aber noch sechs Jahre bis zu den ersten Serienexemplaren. Von 1947 an nahm die Produktion dann immer mehr Fahrt auf. Das Vélo-Solex kann als das Zweirad-Pendant zum Renault R4 oder Citroën 2CV bezeichnet werden: klein, preiswert, schwach motorisiert, aber genügsam im Unterhalt und in riesigen Stückzahlen über einen sehr langen Zeitraum gebaut. Das minimalistische Zweirad erobert bis heute die Herzen. Prominente wie Jacques Tati, Brigitte Bardot und Steve McQueen ließen sich nicht nur auf dem Vélo-Solex ablichten, sondern fuhren es auch.

Den Grundstein für diesen Erfolg hatten zwei Franzosen schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts gelegt, indem sie ein Automobilzulieferer-Unternehmen mit Namen Solex gründeten. Dort wurden Kühler und Vergaser für Autos gebaut. 1940 entstand ein erster Zweitaktmotor, damals noch mit winzigen 38 Kubikzentimeter Hubraum. Er wurde versuchsweise über dem Vorderreifen an ein Herrenrad montiert, und so wurden erste Fahrversuche unternommen. In den nächsten fünf Jahren verfeinerten die Entwickler den Antrieb samt Fahrradrahmen immer mehr, sodass 1946 die Serienproduktion im französischen Courbevoie beginnen konnte. Drei Jahre zuvor hatte der französische Staat eigens eine neue Fahrzeugklasse „Fahrrad mit Reservemotor“ offiziell eingeführt. Von Beginn an war das Vélo-Solex ein Riesenerfolg, zunächst mit einigen tausend gebauten Exemplaren im Jahr, von 1953 an wurden jedes Jahr mehr als 100 000 Stück produziert.

Im Laufe der Zeit wurde eine Fliehkraftkupplung installiert, um das Anhalten einfacher zu machen und nicht jedes Mal den Motor abwürgen zu müssen. Ähnlich wie bei Henry Fords T-Modell war das Vélo-Solex bis weit in die 1960er-Jahre nur in Schwarz zu bekommen. Bunte Farben wurden in der Solex-Welt parallel zur Hippie-Bewegung erst ab 1968 angeboten. Auch eine Version mit kleineren Rädern, das Modell 5000, entstand in dieser Zeit und sollte vor allem weibliche Käufer anlocken. Etwa sechs Millionen liefen beim französischen Vergaserhersteller Solex-Sinfac zwischen 1946 und 1988 vom Band. Selbst nach der Produktionseinstellung in Frankreich setzte das Solex seinen Siegeszug fort. Es wurde in Ungarn noch bis 2002 in Lizenz gebaut.

Heute gibt es ähnliche Zweiräder wieder neu, allerdings montiert mit Teilen aus chinesischer Produktion oder sogar als elektrische Version. Die ist ein glatter Etikettenschwindel, weil der Motor nicht mehr über dem Vorderrad, sondern in der Hinterradnabe sitzt.

In den gut 40 Jahren Produktionszeit des echten Vélo-Solex verdoppelte sich die Leistung nahezu, wenngleich die absoluten Zahlen winzig blieben: 0,4 PS am Anfang und 0,7 PS am Schluss der Produktion brachte der 47 Kubikzentimer große Zweitakter. Die Leistungsangabe von „1 kW“, also 1,36 PS, in der Betriebserlaubnis ist immer eine maßlose Übertreibung.

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