Reisetipp vom Experten: Langlaufen im Böhmerwald

2022-03-18 03:25:10 By : Ms. Shirley Qiao

Tschechische Zentrale für Tourismus in Berlin, Tel.: 030/2044770, E-Mail: berlin@czechtourism.com, Internet:

Die Recherche wurde unterstützt von CzechTourism.

Fragt man unsere tschechischen Nachbarn nach den schneesichersten Gebieten ihrer Heimat, steht der Böhmerwald weit oben auf der Liste. Schnell kommt man dort in einem der gemütlichen Pivovars (Biergaststätten) ins Plaudern und erhält Tipps zu den prächtigsten Abschnitten auf der etwa 100 Kilometer langen Skimagistrale, die sich durch den gesamten Nationalpark Böhmerwald von Eisenstein (Zelezna Ruda) bis zum Lipno-Stausee dahinschlängelt. Die Höhenlage zwischen rund 700 bis 1200 Metern, die Ruhe des Nationalparks und die meist gut gespurten Loipen lassen die Herzen vieler Langlaufenthusiasten höher schlagen, die dem Trubel großer Wintersportzentren wenig abgewinnen können.

Einer von ihnen ist Jiri Franz. Seine Begeisterung steckt an, wenn er über seine Erlebnisse in den Wäldern, Hochmooren, weiten Ebenen und geselligen Unterkünften seiner Heimat berichtet. Als Guide hat er sich der Aufgabe verschrieben, deutschsprachige Touristen mit den vielfältigen Facetten des Böhmerwaldes bekannt zu machen. Treffpunkt ist ein Hotel im kleinen Ort Modrava im Herzen des Nationalparks. Es könnte kaum einen perfekteren Startpunkt für eine Skitour durch die malerische Winterlandschaft geben. Die Sonne strahlt am blauen Himmel, die Schneeverhältnisse sind auf 1000 Höhenmetern fantastisch und die frisch gespurten Loipen locken selbst renitente Stubenhocker hinaus ins Winterwunderland.

Jiri führt seine Skigäste gern entlang des pittoresken, nur teilweise mit Eis bedeckten Maderbaches zu einem seiner Lieblingsorte. Erst seit den 1990er-Jahren ist das ehemalige Grenzgebiet wieder für den Skilanglauf freigegeben. Der plätschernde Bach, die schneebedeckten Fichten und die kaum wahrnehmbare Steigung machen diese Strecke zu einer Genusstour. Nach rund acht Kilometern breitet sich in 1170 Metern Höhe ein offenes Plateau aus, das den Blick bis auf den 1373 Meter hohen Lusengipfel im Bayerischen Wald öffnet. Auf der anderen Seite des Breznik taucht ein Gutshof auf, den der böhmische Heimatschriftsteller Karel Klostermann 1891 zum Handlungsort seines Romans „Aus der Welt der Waldeinsamkeiten“ erkor. Zurück in Modrava erzählt Jiri bei Gulasch mit Knödeln und einem Bier mehr über den hier hochverehrten Autor, der spannend das harte Leben der Holzfäller und Glasmacher im Böhmerwald beschrieb. Die abendliche Lektüre seiner „Böhmerwald-Skizzen“ gestaltet sich zu einem interessanten Exkurs in die Geschichte der Region. Authentisch berichtet er von Wintern, wie 1853, als die Menschen in vom Schnee abgeschnittenen Orten an Hungertyphus starben, aber auch mit dem Flößen von Holz und mit der Glasherstellung einen bescheidenen Wohlstand errangen.

Die Lektüre weckt die Neugier, mehr über die Geschichte und das Leben der Menschen im Böhmerwald zu erfahren. Da am Folgetag nach einer Langlauftour entlang der Warmen Moldau bis zu ihrer Quelle noch Zeit bleibt, bietet sich ein Abstecher zum Museum in Kasperske Hory an. Dort nimmt Ausstellungskurator Vladimir Horpeniak seine Gäste mit auf eine Zeitreise vom Beginn der Glasherstellung im 15. Jahrhundert bis zur Blütezeit im 19. Jahrhundert, als das Böhmische Glas die Welt eroberte. Wunderbare Stücke, die ihren Weg von Brasilien oder den USA zurück nach Tschechien fanden, Glasmalereien, Vasen und Skulpturen berichten von der Kunstfertigkeit böhmischer Glasmacher. Viele wertvolle Stücke warten im Archiv darauf, ihren Glanz in einer Sonderausstellung im Unesco-Jahr des Glases 2022 entfalten zu können. 500 Meter vom Museum entfernt kann man Hedvika Zahalkova bei der Herstellung von Schmuckwickelperlen aus Glas zusehen, die in einfacherer Form bereits zu Beginn der Glasverarbeitung im Böhmerwald für Rosenkränze geformt wurden.

Eine der einst prestigeträchtigsten Glashütten des Böhmerwaldes befindet sich nur wenige Kilometer entfernt in Annin. Nach der Insolvenz vor 20 Jahren geschlossen, öffnen die neuen Eigentümer heute die historische Hütte wieder für Touristen, Studenten und Schüler, die hier an Workshops teilnehmen, Glas bearbeiten und kaufen oder einfach die Glasausstellung betrachten können, in der besonders das hier geschliffene Böhmische Bleikristallglas einen würdigen Platz einnimmt.

Zu noch mehr Weltruhm als Annin brachte es die Glashütte im benachbarten Rejstejn. Leider steht das Gebäude nicht mehr, aber einige der dort gefertigten Kunstwerke kann man im 50 Kilometer entfernten Klatovy bewundern. Auf dem Weg dorthin lohnt ein Zwischenstopp in Dobra Voda. Die dortige kleine Dorfkirche beherbergt mit einem spektakulären, fünf Tonnen schweren Glasaltar einen Schatz, der weltweit einmalig ist. Am Glaspavillon in Klatovy angekommen, wird man von den 800 ausgestellten Glaspreziosen überwältigt. Nahezu grenzenlos muss die Experimentierfreudigkeit und die Kreativität der Glasbläser gewesen sein, die Ende des 19. Jahrhunderts und zu Beginn des 20. Jahrhunderts im kleinen Klostermühle Weltgeschichte schrieben. Unter Leitung des aus Linz stammenden Max von Spaun entstanden nach Entwürfen renommierter Künstler und Architekten wahre Wunderwerke aus Glas, die mal mit Kobalt- und anderen Metalldämpfen veredelt, mal mit Silber- und Goldfäden in der Ornamentik des Jugendstils vereint wurden. Selbst mit Uraneinschlüssen, die bei künstlichem Licht aufleuchten, experimentierte die Hütte. Besonders stolz ist man im PASK-Pavillon auf die marmorierten Glasexponate, die auf der Pariser Weltausstellung 1889 den Grand Prix erhielten.

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Die Recherche wurde unterstützt von CzechTourism.