Schott AG: Dank Boom 40 Millionen-Investition für Schmelzwanne

2022-03-18 03:23:21 By : Ms. Cherry Feng

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Hitzefest: Die in Mainz produzierten Pharma-Glasröhrchen werden in alle Welt verschickt. Bild: Schott AG, Mainz

Die Menge macht’s: Die Schott AG verdient an jedem Impfstofffläschchen nur fünf Cent, investiert aber dennoch 40 Millionen Euro, um in Mainz 2022 eine zweite Glasschmelzwanne in Betrieb nehmen zu können.

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A n Wasserspendern für die Mitarbeiter mangelt es nicht in jener Halle, in der die große Schmelzwanne steht. Schließlich braucht das darin angerichtete Glasbad Temperaturen von bis zu 1500 Grad Celsius. Von dort aus gelangt die honigartige Masse über einen „Pfeife“ genannten Auslass auf ein bald 100 Meter langes Fließband. An dessen Ende das schier unendlich lange, dünnwandige Glasrohr in handliche Stücke von je 1,50 Metern zerteilt wird. Mitten im Raum fällt eine kleine Fitness-Ecke ins Auge: Die Geräte dürfen und sollen die Beschäftigten zwischendrin mal eben „zur gezielten Stärkung ihrer Rückenmuskulatur nutzen“, erfahren die Besucher der Halle, in der in Mainz an 365 Tagen im Jahr und rund um die Uhr pharmazeutisches Rohrglas als Vorprodukt für medizinische Spritzen, Ampullen und Fläschchen produziert wird.

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Die Corona-Pandemie und die weltweit damit verbundenen Impfkampagnen hätten das Geschäft mit der hochreinen Verpackung aus Borosilikatglas zwar noch einmal kräftig befeuert, sagte ein Sprecher der Schott AG bei einer Werksbesichtigung am Hauptsitz, zu der am Donnerstag Oberbürgermeister Michael Ebling und der rheinland-pfälzische Gesundheitsminister Clemens Hoch (beide SPD) auf das Gelände an der Hattenbergstraße gekommen waren. Allerdings habe es vor allem in China und Indien schon vor Corona eine immer stärkere Nachfrage nach den hochwertigen Glasprodukten gegeben.

Eine Antwort auf den weltweiten Boom ist, dass in Mainz für rund 40 Millionen Euro gerade eine zweite Schmelzwanne gebaut wird, die bis April 2022 fertiggestellt sein soll und für 80 bis 100 zusätzliche Arbeitsplätze sorgen dürfte. Aktuell liege der Marktanteil des 1884 von Otto Schott, Ernst Abbe sowie Carl und Roderich Zeiss in Jena gegründeten Unternehmens in der Sparte Pharmaglas bei circa 50 Prozent, sagte Frank Heinricht, Vorstandsvorsitzender der Schott AG. Der Chef des energieintensiven Technologiekonzerns, der das ambitionierte Ziel verfolgt, bis 2030 klimaneutral zu werden, konnte den Gästen von weiteren „erfreulichen Zahlen“ berichten: Für das aktuelle Geschäftsjahr, das im September endet, werde eine zweistellige Wachstumsrate erwartet, ein Konzerngewinn von circa 2,5 Milliarden Euro (2019/20: 2,25 Milliarden Euro) und ein „hohes Ergebnis“. Das lag zuletzt bei fast 200 Millionen Euro, wovon etwa 80 Millionen an die Carl-Zeiss-Stiftung als dem alleinigen Eigentümer abgeführt wurden.

Mehr als ein Drittel des Umsatzes mache das Unternehmen, das weltweit rund 17.000 Beschäftigte zählt, mit Spezialgläsern für die Pharmabranche. Dafür werden zum Beispiel in Mainz zunächst hochreine Glasrohre gefertigt, die später an anderen Standorten in die gewünschte Form – als Spritze, Ampulle oder Fläschchen – gebracht werden. Allein für die Impfstoffe im Kampf gegen Corona habe Schott unterschiedlich große Fläschchen für mehr als drei Milliarden Dosen hergestellt. „Deutlich mehr als ursprünglich geplant“, sagte Heinricht, der für die nächsten Jahre von einem „Trend zur Single-Dose“ ausgeht; also davon, dass zumindest im westlichen Teil der Welt künftig vor allem schon fertig befüllte Spritzen mit jeweils einer einzelnen Impfstoffdosis zum Einsatz kommen werden.

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Das Schott einen wesentlichen Beitrag zum Kampf gegen die Pandemie leiste, bescheinigte auch Minister Hoch dem Konzern, der allein in Mainz gut 2850 Mitarbeiter beschäftigt; außerdem werde mit etlichen externen Partnern zusammengearbeitet. Nicht nur die begehrten Glasverpackungen, an denen das Unternehmen pro Stück etwa fünf Cent verdient, gehören zum aktuellen Krisen-Portfolio: „Wir stellen auch beschichtete Glassubstrate für Schnelltests sowie Sensoren und Lichtleiter für Beatmungsgeräte her“, sagte Heinricht. Jedoch längst nicht in den Mengen, in denen die fertigen Glasrohre in den immer lauten und heißen Produktionshallen vom Fließband rollen, um flugs abgepackt palettenweise zur Weiterverarbeitung in alle Welt verschickt zu werden.

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Schott AG: Volles Rohr bei 1500 Grad Celsius

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